Samstag, 27. September 2008

Die Tortur mit der Tastatur

Es war eine lange, beschwerliche Reise, aber jetzt ist es endlich da, das neue USB-Keyboard.


Vorgeschichte: Auf der in meinem Notebook eingebauten Tastatur waren vor etwa zwei Wochen voellig ueberraschend die M's und N's alle. Das war enorm verdriesslich, denn wenn man sie nicht mehr tippen kann, merkt man erst, was man an Woertern wie "Monchichi," "Marzipanmimose" oder "Murmeltiermaennchen" hat.

(Nun gut, mit Umlauten ist jetzt erst einmal Sense, und die Sache mit Y und Z muss ich auch noch in den Griff kriegen.)

Sonntag, 21. September 2008

Balkon-Szene

Einer der angesagtesten Clubs in Boise ist The Balcony, u.a. auch ein beliebter Treffpunkt für Schwule und Lesben, wie man auf der Website unschwer erkennen kann. Man zahlt am Wochenende $ 3.00 Eintritt und bekommt für nochmal $ 3.00 ein Bier - bzw. für $ 3.50 ein Importbier, wobei die 0,33er-Flaschen hier angenehmerweise 0.36er-Flaschen sind. Ist also vergleichsweise billig. Als kleiner Bonus wird standardmäßig das Alter kontrolliert, bevor man rein darf, da fühlt man sich gleich ungemein geschmeichelt.

Aber reden wir nicht lange um den heißen Brei: Der Laden macht um zwei Uhr dicht. Alle Bars und Clubs machen hier nämlich spätestens um zwei Uhr dicht. Jemand war so frei, das so aufzuschreiben, weshalb es da jetzt so geschrieben steht. Da wird um zehn vor zwei der Rausschmeißer eingespielt, und dann, bumms, aus die Maus. Wenn ihr (ja, Ihr) euch jetzt an selige Johanneums-Disko-Zeiten erinnert seht, dann habt ihr die Problematik in etwa erfasst. Und das ist nicht nur für Europäer bestürzend, wie betroffene Einheimische mir versichert haben.

Andererseits bedeutet das knapp bemessene Zappel-Zeitfenster aber auch, dass hier ziemlich die Post abgeht. Die Leute haben nur drei bis vier Stunden, um zu tanzen, zu picheln und Sexualpartner des bevorzugten Geschlechts klarzumachen, und sie sind ganz offensichtlich nicht dazu geneigt, ihre Zeit zu verschwenden. Eine Nebenwirkung davon ist natürlich, daß man sich leicht übernimmt, wenn man an einem Abend versucht, gleich in allen drei Disziplinen seinen Abschluss zu machen.

Da wäre zum Beispiel Brian*, der sich, schon stark alkoholisiert, bei mir erkundigt, ob ich Interesse habe, mit ihm einen pitcher zu splitten, um zwei nice girls abzugreifen. Nachdem ich das reflexartige Thanks, but no thanks unterdrückt habe, das mir meine Vernunft und meine schüchterne Natur in den ungünstigstenen Situationen zwischen die Beine werfen, zucke ich mit den Schultern, trinke mein Bier aus und sage Sure, let's go - ich bin ja schließlich nicht zum Spaß hier. (Pitcher gibt's dann leider nicht, wie sich rausstellt, deshalb settelt Brian für vier Flaschen Bier.)

Die zwei Mädels sind dann tatsächlich nett, und zudem dankenswerter Weise nicht halb so besoffen wie Brian und auch sonst zurechnungsfähiger. Ich unterhalte mich mit einer der beiden eine halbe Stunde über interkulturelle Vorurteile (sie revanchiert sich für das Bier mit einem Heineken, denn ich bin ja Deutscher, öhms...). Daß ich Brian noch nie zuvor in meinem Leben gesehen habe, beunruhigt sie dann etwas, aber kurz darauf taucht ihre Freundin wohlbehalten wieder auf - ohne Brian.

Ich verabschiede mich von den beiden und gehe zu meinen Leuten zurück. Brian sehe ich an dem Abend derweil noch mit zwei, drei anderen Frauen. Die - das muss man ihm lassen, speziell in seiner Verfassung - sind auch allesamt sehr gutaussehend, ergreifen an einem gewissen Punkt aber scheinbar dann doch immer die Flucht. Man kann eben nicht alles haben.

Seinen Namen schuldet The Balcony übrigens der Tatsache, dass er sich in der zweiten Etage eines kleinen Einkaufszentrums befindet und - mancher Schlaufuchs mag es ausgeknobelt haben - auf der Außenseite über einen großen Balkon mit erstklassiger Sicht auf die Stadt verfügt. Das ist sehr angenehm, wie man sich vorstellen kann, nicht nur für Raucher. Insgesamt ein feiner Club, auch wenn die Öffnungszeiten eigentlich unzumutbar sind.

Weiterer Pluspunkt: Gleich nebenan auf derselben Etage befinden sich ein dem Hörensagen nach sehr ordentlicher Italiener und außerdem The Piper, wo's original Idaho-Elchburger und Guinness vom Fass gibt. Aber dazu ein andermal mehr.

*) Name nicht geändert

Samstag, 20. September 2008

Geteert und gefedert

So läuft die Geschichte.
"Kein Taxi nahm sie mit, Wirte und Hoteliers warfen sie raus, Demonstranten verhinderten ihre Kundgebung: Der sogenannte Anti-Islamisierungskongress europäischer Rechtspopulisten in Köln wurde zur peinlichen Lachnummer."
Schön, daß daheim noch alles in Ordnung ist.

(Okay, fast alles.)

Nass

Scheinbar ist das der erste Regen seit Mai, ich habe also ziemliches Glück. Erst gegen elf Uhr vormittags hört's auf, die Temperatur ist auf schätzungsweise 18 Grad Celsius abgestürzt - brrr. Zum Glück kommt dann aber die Sonne wieder raus, und eine halbe Stunde später gibt's nur im Schatten noch einige Pfützen.

Das öffentliche Leben ist sichtlich gezeichnet von dem garstigen Treiben. Auf der Straße sind nur vereinzelt Menschen zu sehen, die überdimensionale Regenmäntel tragen oder ihre Winterstiefel ausgepackt haben. Auch die Eichhörnchen scheinen von der Situation überfordert - kopflos rennen sie kreuz und quer über die kleine fünfspurige Nebenstraße, an der die Uni liegt (was kein Problem ist: wenn die Autofahrer hier auf eines vorbereitet sind, dann darauf, dass wer kopflos auf die Straße rennt; scheinbar genießen auch Nager hier exzellenten Rechtsbeistand) und schütteln auf der anderen Seite inkommodiert ihren nassen Wuschelschwanz, bevor sie auf dem nächsten Baum verschwinden.

Jack will gestern nacht noch "busken" gehen, d.h. er schnappt sich einfach seine Gitarre und setzt sich damit an eine Staßenecke in der Stadt. Er bricht die Aktion dann aber wegen des Wetters ab. Er sagt, daß es hier teilweise sogar Überschwemmungen gibt, obwohl es insgesamt sehr selten regnet.

Freitag, 19. September 2008

Ich, in Idaho

Es ist später Freitagabend, nebenan im Wohnzimmer sitzt mein Mitbewohner Jack aus Alaska und klimpert Pink-Floyd- und Beatles-Songs auf seiner Gitarre, und draussen zieht grade ein kleiner Sturm auf, der mir eine willkommene Brise durch meine Besenkammer beschert. Heute hab ich hier zum ersten Mal Regen gesehen - ganz kurz, denn die paar Tropfen, die's bis auf den Boden geschafft haben, waren ganz flott wieder verdampft. (Okay, mittlerweile ist es halb eins, und es ist tatsächlich richtig nass draussen, und ausnahmsweise mal nicht von den Sprinklern.)

"Hier," der Vollständigkeit halber, ist Boise, die Hauptstadt von Idaho. Das spricht man übrigens "Boy-siii." Keine Bange, der freundliche Herr im amerikanischen Konsulat, von dem ich später noch genaueres berichten werde, wußte das auch nicht.

Als ich hier vor genau einem Monat ankam, war das erst mal etwas surreal: Die Stadt ist eigentlich genau wie Saarbrücken, bloß auf amerikanisch und mit Wüste drumrum. Klingt doof, ist aber so. Ist alles etwas verschlafen hier, aber im Wachstum - man ist der große Fisch in einem kleinen Teich, sozusagen. Es gibt einen von Grünanlagen gesäumten Fluss, der mittendurch fließt, und eine Altstadt mit gemütlichen Kneipen und Bistros, in denen es sich im Sommer wunderbar draußen sitzen läßt. Okay, die Uni liegt hier etwas zentraler und vom Flughafen kriegt man ganz gute Verbindungen. Aber insgesamt dachte ich, Mensch, das kennst du doch alles schon irgendwie.

Irgendwie aber auch nicht, und das macht natürlich den Reiz aus. Die oberflächlichen Ähnlichkeiten setzen sich zwar fort, treten aber schnell in den Hintergrund. Wenn man davon ausgeht, daß man von der amerikanischen Kultur ja ohnehin schon den Plan in der Tasche hat und erwartet, daß hier bis auf ein paar Eigentümlichkeiten alles so läuft wie man das gewohnt ist, wird man jedenfalls enttäuscht. In den kommenden Monaten werde ich daher an dieser Stelle mal versuchen, meine Eindrücke der kleinen und größeren Unterschiede aufzuschreiben. Wer weiß, wofür's gut ist.