Freitag, 19. September 2008

Ich, in Idaho

Es ist später Freitagabend, nebenan im Wohnzimmer sitzt mein Mitbewohner Jack aus Alaska und klimpert Pink-Floyd- und Beatles-Songs auf seiner Gitarre, und draussen zieht grade ein kleiner Sturm auf, der mir eine willkommene Brise durch meine Besenkammer beschert. Heute hab ich hier zum ersten Mal Regen gesehen - ganz kurz, denn die paar Tropfen, die's bis auf den Boden geschafft haben, waren ganz flott wieder verdampft. (Okay, mittlerweile ist es halb eins, und es ist tatsächlich richtig nass draussen, und ausnahmsweise mal nicht von den Sprinklern.)

"Hier," der Vollständigkeit halber, ist Boise, die Hauptstadt von Idaho. Das spricht man übrigens "Boy-siii." Keine Bange, der freundliche Herr im amerikanischen Konsulat, von dem ich später noch genaueres berichten werde, wußte das auch nicht.

Als ich hier vor genau einem Monat ankam, war das erst mal etwas surreal: Die Stadt ist eigentlich genau wie Saarbrücken, bloß auf amerikanisch und mit Wüste drumrum. Klingt doof, ist aber so. Ist alles etwas verschlafen hier, aber im Wachstum - man ist der große Fisch in einem kleinen Teich, sozusagen. Es gibt einen von Grünanlagen gesäumten Fluss, der mittendurch fließt, und eine Altstadt mit gemütlichen Kneipen und Bistros, in denen es sich im Sommer wunderbar draußen sitzen läßt. Okay, die Uni liegt hier etwas zentraler und vom Flughafen kriegt man ganz gute Verbindungen. Aber insgesamt dachte ich, Mensch, das kennst du doch alles schon irgendwie.

Irgendwie aber auch nicht, und das macht natürlich den Reiz aus. Die oberflächlichen Ähnlichkeiten setzen sich zwar fort, treten aber schnell in den Hintergrund. Wenn man davon ausgeht, daß man von der amerikanischen Kultur ja ohnehin schon den Plan in der Tasche hat und erwartet, daß hier bis auf ein paar Eigentümlichkeiten alles so läuft wie man das gewohnt ist, wird man jedenfalls enttäuscht. In den kommenden Monaten werde ich daher an dieser Stelle mal versuchen, meine Eindrücke der kleinen und größeren Unterschiede aufzuschreiben. Wer weiß, wofür's gut ist.