Montag, 6. Oktober 2008

Liberal in die Wahl

Heute gab's an der Uni eine politische Podiumsdiskussion zwischen diesen beiden Herrschaften - konservativ gegen liberal, also, was im Sinne des Abends gleichbedeutend mit Republikaner gegen Demokraten war. Als internationaler Beobachter aus einem Land mit demokratisch-freiheitlicher Grundordnung (wenn auch vorläufig noch ohne UN-Mandat, die nächste Wahl gilt als entscheidend) war ich natürlich anwesend, um sicherzustellen, dass auch alles mit rechten Dingen zugeht und niemand unterdrückt wird.

Autor Peter Beinart, der Vertreter der "liberalen" Seite, verbrachte einen Großteil seiner Redezeit damit, ein für alle mal klarzustellen, daß "Liberale" weder Kommunisten sind, noch zum Frühstück kleine Kinder fressen. "Liberal" bedeutet in den USA nämlich "ganz furchtbar links," und wird von den Konservativen gerne als Schimpfwort verwendet, um die politischen Gegner als abgedrehte Hippies mit Realitätsverlust darzustellen. Tatsächlich vertritt Beinart dann auch einige Standpunkte, die man bei uns eher den Sozialdemokraten oder den Grünen zuordnen könnte - wenn man ihn darauf anspräche, würde er das aber sicher vehement von sich weisen.

Sein Gegenüber, der konservative Jonah Goldberg, ist ein wesentlich besserer Redner, hatte die besseren Gags und war insgesamt auch auf den ersten Blick überzeugender. Er brachte unter anderem an, dass Konservativismus für ihn keine Lebensphilosophie, sondern eine rein politische Einstellung sei. Was Goldberg an den "Liberalen" stört, ist, daß diese - so Goldberg - zu viele und zu weitreichende Eingriffe des Staates in den Markt und in das öffentliche Leben fordern. Wir halten also fest: Das amerikanische Etikett liberal ist definitiv nicht mit dem deutschen "liberal" gleichzusetzen. Insofern hat die Veranstaltung mir nochmal verdeutlicht, daß das politische Spektrum hier eben etwas anders aussieht als zu Hause.

Randnotizen: Der Eindruck, daß - trotz der republikanischen Mehrheit im Staat - die meisten Leute hier in Boise doch eher demokratisch eingestellt zu sein scheinen, hat sich bestätigt, wenn man mal von dem Applaus für die jeweiligen Positionen ausgeht. Die großen Themen bei der Fragerunde waren das Gesundheitssystem, der Kapitalismus-Crash und die enormen Kosten für eine anständige Hochschulbildung.

Oh, und Sarah Palin wurde ausgelacht - zweimal, und von allen.