Dienstag, 4. November 2008

Ding Dong, die Hex ist tot

Wahlabend. In Idaho ist es 17:30, das heißt an der Ostküste geht's stramm auf acht Uhr zu. Zeit, sich zur Erfüllung der Funktion des internationalen Beobachters auf den Weg in die Stadt zu machen.


Schon unterwegs weht eine frische Brise entgegen, in den Bergen liegt neuer Schnee.

Ich gehe noch schnell Geld abheben und treffe eine Gruppe politisch engagierter junger Menschen.

Sorry, guys.

Pünktlich um 6:00 PM Ortszeit bin ich dann im Pub. Vorläufiger Stand: 77:33 Wahlmänner-Stimmen für Barack Obama. Wer zuerst 270 erreicht, gewinnt. Ich bestelle erstmal mein Reuben-Sandwich und ein Bier.

Etwas später kommt ein Herr mittleren Alters von der Toilette und schielt vorsichtig auf einen der etwa zehn Fernseher in der Kneipe. Dann klatscht er einmal kräftig in die Hände und die Anspannung verschwindet aus seinem Gesicht: Es ist 6:40 und Obama hat gerade den heftig umkämpften Staat Pennsylvania für sich entschieden.

Es steht 102:34 für Barack Obama.

Bleiben noch 168 Stimmen zum Sieg. Mit gespreiztem Daumen und zufriedenem Gesichtsausdruck bewegt sich der Mann zu seinem Sitzplatz zurück.

7:04 - Die Demokraten erreichen nach den Hochrechnungen von CNN 51 Sitze im Senat und damit die Mehrheit.

7:20 - Während ich an meinem zweiten Bier nippe, wird auf einem anderen Bildschirm parallel für eine Dokumentation über den Zweiten Weltkrieg geworben. Hitler und Goebbels flimmern über die Mattscheibe und machen ihre Faxen. Ich trinke einen großen Schluck.

7:34 - Barack Obama gewinnt in Ohio, einem weiteren wichtigen "Battleground"-Staat. Aktueller Punktestand: 194:69 für Obama.

7:40 - Einer der CNN-Kommentatoren spielt an seinem Touchscreen herum und Idaho schimmert dabei kurz bläulich, was bedeuten würde, daß der Staat wahrscheinlich an die Demokraten geht. Eine Dame im Pub fühlt sich davon zu lautem Gejaule veranlasst. Schnell ist der Fehler korrigiert: Rosa war natürlich gemeint.

7:43 - Witzig: Der Demokratische Senator in Missouri heisst Nixon. Er gewinnt aber trotzdem gegen seinen Rivalen.

7:48 - Obama holt New Mexico, 199:78!

8:00 - Die nächsten Wahllokale schließen, jetzt steht es 206:89. Noch 64 Stimmen, dann ist Obama Präsident.

8:20 - Aktueller Stand: 207:129.

8:23 - Zwei hochrangige McCain-Helfer melden sich bei CNN zu Wort und bereiten die Annahme der Nieder lage vor: "Der Sieg ist verbaut."

8:46 - In Chicago bereitet man sich nun darauf vor, Barack Obama als Sieger zu feiern.

8:53 - CNN weist darauf hin, daß sich sogar in Australien Menschen für die Wahl interessieren. Ist das nicht sensationell?

8:58 - Virginia geht an Obama, es steht 220:135.

9:00 - Aus die Maus: Kalifornien gehört wie erwartet Obama.

Habemus Obamam.

Damit steht fest: Barack Obama wird am 20. Januar 2009 zum 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gekrönt. Es sind nur noch 15 Leute im Pub (in Idaho ging's 54:44 für die Republikaner aus), aber die freuen sich.

9:17 - "Do you need change?" fragt die Bedienung.

John McCain erscheint (bei CNN, nicht im Pub), um seinen Leuten zu erklären, warum er verloren hat. "My friends, we have come to the end of a long journey," setzt er an.

"Yes, you have!" ruft eine Frau im Pub.